Die Pfarrkirche St. Peter

Bereits 1154 wird ein Pfarrer erwähnt und 1389 ist eine Reparatur an der Kirche überliefert. Hinweise auf romanischen Kirchbau nach Grabung von Pfarrer Bergmann in den 1920er Jahren. 2 Gotischer Neubau 1466. Im Westturm existierte eine Inschrift, die dieses Datum erwähnt:

Templum fundatum int jair onses Heren MCCCCLXVI
(Kirche gegründet im Jahr unseres Herrn 1466).

1630 Bildersturm der protestantischen Niederländer. Das entfachte Feuer zerstörte Turmdach und einen Teil des Kirchendaches. Noch 1647 ist auf dem Stich von Merian der Kirchturm ohne Dach zu sehen.

3 1673 wird die Kirche auf Anordnung des Großen Kurfürsten Simultaneum. Der Streit der Konfessionen führt 1675 zur Aufteilung der Kirche durch eine Mauer. 4 Die Katholiken durften sich ihren Teil aussuchen und beanspruchten den östlichen Teil mit Chorraum bis zum ersten Pfeiler. Das Kirchenschiff und den Turm erhielten die Reformierten.

Während des siebenjährigen Krieges 1756 - 1763 wird die Kirche von den Franzosen geräumt, um sie als Vorratsraum zu nutzen. Die eingelagerten Mehlsäcke lassen Boden einstürzen. Wieder sind umfangreiche Reparaturarbeiten notwendig.

Altäre

Hochaltar der Kath. Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel.
1913/14 umgestaltet unter Verwendung wesentlicher
Bestandteile des ehemaligen Hochaltars
der St. Peter-Kirche, Büderich.
Quelle: Stadtarchiv Wesel

Hauptaltar St. Peter, stand noch knapp 100 Jahre in St. Peter in Neu-Büderich, Höhe 7,20 Meter, Breite 3,90 Meter.

Der Marienaltar, gestiftet 1367, Viktorsaltar von 1403, Katharinenaltar von 1438, Gertrudenaltar von 1440, St. Anna an der Nordseite des Turms, St. Trinitatis, St. Georg und St. Sebastianus.

Überlegungen zur Gestalt und den Maßen

Nummerierung der Grabstätten im reformierten Teil der Pfarrkirche 1743.
Oben quer die Trennung zum katholischen Teil durch eine Mauer.
Quelle: Stadtarchiv Wesel

Pfarrer Bergmann gibt nach den Befunden seiner Grabung die Maße des Kirchenschiffes mit 17,10 x 17,40 Metern, den Turm mit 7 x 7 Metern und den Chor mit 5,7 x 5,7 Metern an. Nach seiner Meinung war Chor und Turm dem Kirchenschiff vorgesetzt.

Der Plan der Grabstätten des protestantischen Teils der Kirche von 1743 zeigt ähnliche Maße. Die dortige Maßstabsleiste ist in Rheinischen Fuß gehalten. Ein Rheinischer Fuß entspricht 31,4cm. Demnach hat die Kirche eine Innenbreite von 18,84m gehabt.

Im Gegensatz zu Bergmann ist der Turm ins Kirchenschiff integriert und hat eine Grundfläche von etwa 9 x 9m.

1 Die Breite entspricht annähernd dem georeferenzierten Grundriss der Stadt. Die Länge des Kirchenschiffs mit Turm ohne Chorraum beträgt knapp 35m, der Chorraum hat eine Trapezform und läuft von einer Breite von 11m auf eine Breite von knapp 8m zusammen, die beiden anderen Seitenlängen betragen etwa 5m. Die Maße ergeben sich aus dem georeferenzierten Grundriss der Stadt. Daraus ergibt sich eine vergleichbare Grundfläche mit der in Neu-Büderich errichteten katholischen Kirche St. Peter im ursprünglichen Zustand.

Die Breite der Kirche stimmt in etwa mit dem von Pastor Bergmann 1930 bei Grabungen ermittelten Wert überein. Die Länge der Kirche sowie die Gestalt des Chors sind von Pastor Bergmann aber offensichtlich nicht richtig ermittelt worden. Vielleicht handelt es sich bei den von ihm gefundenen Fundamenten um die der romanischen Vorgängerkirche.

Ausschnitt aus der Ansicht von
Jan de Beijer von 1740.
Quelle: Stadtarchiv Wesel
Ausschnitt des Bildes von
Adam Frans von der Meulen
1672.
Quelle: Isabelle Bideau, Mobilier national, Januar 2019
Ausschnitt der Ansicht Hogenbergs von 1995. Rechts die Kirche mit Glockenreiter und Querschiff.
Quelle: Stadtarchiv Wesel

Die gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert muss wie oben beschrieben länger gewesen sein. Während das Schiff dreischiffig gewesen sein wird, muss der Chor den Abschluss des Mittelschiffs gebildet haben. Wie auf dem Bild Jan de Beijers zu sehen ist, war der Chor nicht rechteckig, sondern eher als in der Form gleichschenkliges Trapezes ausgebildet.

Zusammenstellung der Grundrisse aus den Quellen in der 3D-Software als Basis zur Rekonstruktion.
Quelle: Dießenbacher Informationsmedien

Pastor Schoofs beschreibt im Jahr 1880 die Kirche in seinem Buch wie folgt:

"Die Mathenakirche in Wesel ist etwa zeitgleich errichtet worden, wie die gotische Kirche Alt-Büderichs. Die wenigen Informationen zur Büdericher Kirche lassen auf Gemeinsamkeiten schließen. Evtl. sind dieselben Baumeister und Handwerker an beiden Kirchen beteiligt gewesen."

Die Ausarbeitung des Kirchturms ist in ähnlicher Weise auch bei anderen Kirchen der Region zu finden, z.B. bei der Kirche St. Nicolai in Kalkar.

Die Ansicht von Hogenberg von 1595 lässt sogar ein Querschiff erkennen. Auf dem Kreuzungspunkt steht ein Glockenreiter.

Die Herleitung der Rekonstruktion aus der Mathenakirche ist >hier< einzusehen.

Rekonstruktionsvorschlag

Klick auf die Bilder vergrößert.

3 Umfeld der Kirche

Bestattungen finden in der Regel auf dem Kirchhof, also rund um die Kirche statt. Eine Trennung der Konfessionen gab es offenbar nicht. Lediglich die Zugänge wurden freigehalten. Auch in der Kirche wurde bestattet. Die dortigen Gräber sind oft eingestürzt und mussten wieder eingeebnet werden.

Sonnenuhr an der Südfassade von St. Nicolai in Kalkar, Foto: Dießenbacher

Der Kirchhof wurde im 18. Jh. mindestens einmal erweitert. 1782 wurde ein lange ruiniertes Grundstück, Nr. 26, dem Kirchhof zugeschlagen. Eingefriedet war der Kirchhof zum Markt hin mit einem Eisengitter. An der Norseite gab es eine Mauer. Im Süden gab es wohl wegen des Pastorates und der Schule keine Abgrenzung. Auf dem Kirchhof gab es auch ein 1779 erwähntes Beinhaus, welches anscheinen erst kurz zuvor errichtet worden ist.

Auf der Westseite nahe des Turmes befand sich eine Sonnenuhr, entweder auf dem Kirchhof oder an der Außenwand der Kirche befestigt. Heute befindet sich eine Sonnenuhr an der Südfassade der Kirche St. Nicolai in Kalkar.

2 Kapelle Corpus Christi

Vor der Kirche befand sich noch eine dem Corpus Christi geweihte Kapelle, die vermutlich schon zur Zeit der ersten Kirche zum Rathaus umfunktioniert worden war.

Quellen:

  1. Marcus Abram (4.05.2020) Alt-Büderich - 3D-Rekonstruktion und Visualisierung, Projektskizze, Seite 57f.
  2. Jörg Lorenz (1989): Dem Erdboden gleichgemacht. Zeugnisse zur Geschichte der alten Stadt Büderich. Weseler Museumsschriften Band 25. Rheinland-Verlag, Wesel. Seite 41f.
  3. Martin Wilhelm Roelen, Margret Wensky (2018): ... des vorigen florisanten Status beraubt. Büderich im 18. Jahrhundert. Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel, 39. Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel.
  4. Martin Wilhelm Roelen, Hrsg. (2013): Untergang und Neubeginn. Vom alten und neuen Büderich. Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel, 35. Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel.