Stadttore

Noch 1326 war die Stadt nur mit Gräben umgeben, wie es aus einer Urkunder der Johanniterkommende in Wesel hervorgeht., 1365 wird erstmals eine Stadtmauer erwähnt, zu diesem Zeitpunkt muss die Mauer also schon fertiggestellt gewesen sein. In den 1380er Jahren wurden beide Stadttore, das Rheintor und das Feldtor ausgebaut.

Stadtmauern und Tore waren für die mittelalterliche Stadt mehr als militärische Absicherung, sie waren ein weithin sichtbares Zeichen städtischer Freiheiten mit entsprechendem Rechtsstatus.

Für den Unterhalt der baulichen Anlagen war die Stadt selbst verantwortlich, zur Finanzierung erhielt sie 1388 vom Grafen das Recht in der Stadt Bier zu brauen, zu zapfen und darauf Steuern zu erheben.1 2
 

Rheintor

Die größe des mächtigen Rheintors wird am besten deutlich durch die Stadtansicht Anthony Jansz. van Croos. Diese Ansicht zeigt Büderich aus südöstlicher Richtung. Aus dieser Perspektive verdeckt das Rheintor die Burg.

1659 Anthony Jansz van Croos, Stadtansicht Büderichs von Südosten

Die bisherige Forschung geht davon aus, dass beim Ausbau der Stadttore das Rheintor in den 1380er Jahren durch ein Vortor mit zwei mächtigen Rundtürmen ergänzt wurde. Grund für diese Annahme sind die Festungsgrundrisse aus dem 16. Jahrhundert, die in der Tat zwei vorgelagerte Kreise, die als die beiden Rundtürme gedeutet werden können,  darüber hinaus sind die Rundtürme auf van der Meulens Stadtansicht aus dem Jahre 1672 nicht erkennbar dargestellt, so dass man davon ausgehen kann, dass sie abgerissen wurden.3
Vermutlich wurden die Türme bzw. das gesamte Tor um die obersten zwei Geschosse bereits von den Niederländern eingekürzt, um von feindlichen Truppen nicht aus großer Distanz anvisiert werden zu können.


Andererseits wirken die Stadtansichten so, als wären die mächtigen Türme unmittelbar vor die Mauer gesetzt worden.

 

Für diese Theorie spricht auch die Stadtansicht Jan de Beijers, die um 1740 entstand und das Rheintor ebenfalls mit zwei Rundtürmen zeigt, wenn auch mit wesentlich kleineren als bei früheren Stadtansichten:

 

Offenbar hat man die beiden Rundtürme im folgenden in geringerer Höhe erneuert.
 

Analogie zwischen den Rheintor und dem Steintor in Goch

Gehen wir davon aus, dass es sich bei den mächtigen Rundtürmen nicht um ein Vortor im eigentlichen Sinne handelt, sondern um das verstärkte Rheintor, so fällt die Ähnlichkeit  zum noch bestehenden viergeschossigen Steintor der Stadt Goch auf. Kein anderes Stadttor der Region ähnelt den Darstellungen von van Croos und Merian mehr.

Steintor Goch; Quelle: Wikipedia
1737, Jan de Beijer, Steintor in Goch

Vergleicht man die Entstehungszeit der Gocher Stadtbefestigung mit der Büdericht, so stellt man fest, dass diese fast zeitgleich entstanden sein müssen. 1341 war Goch noch mit Wällen umgeben, für 1366 sind Stadtmauern bezeugt.
Das Steintor wurde 1371 erstmals bezeugt, ein Balken weist die Jahreszahl 1352 auf. Die übrigen Stadttore Gochs stammten offenbar ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.4 5

Grundrisszeichnung des Gocher Steintors von 1817, Foto: Hans-Joachim Koepp

Ansichten der Rekonstruktion des Rheintores

Bei der Rekonstruktion des Rheintores haben wir gemäß der oben dargestellten Analogien das Gocher Steintor zum Vorbild genommen, um eine realitätsnahe Darstellung zu erreichen.

 

Feldtor

Leider liegen uns keine Stadtansichten aus westlicher Richtung vor. Somit wissen wir über das Feldtor noch weniger als über das Rheintor. Bekannt ist aber, dass es zur gleichen Zeit wie das Rheintor in den 1380er Jahren verstärkt wurde. Bekannt ist auch, dass es kleiner und weniger imposant gewesen ist, als das Rheintor.

Die Stadtansichten van Croos sowie van der Meulens zeigen jedoch die Rückseite des Feldtores:

Ähnlichkeiten weist das frühere Voßtor in Goch auf, welches von Ansichten jan de Beijers bekannt ist und zudem im gleichen Zeitraum wie das Feldtor entstand. Auch das noch bestehende Klever Tor in Xanten sowie das ebenfalls noch bestehende Kuhtor in Kempen weisen gewisse Ähnlichkeiten auf:


Ansichten der Rekonstruktion des Rheintores

Bei der Rekonstruktion des Feldtores haben wir uns an dem noch bestehenden Klever Tor in Xanten, dem Kuhtor in Kempen und vor allem an dem aus Stichen bekannten Gocher Voßtor orientiert.

 

Quellen:

  1. Jörg Lorenz (1989): Dem Erdboden gleichgemacht. Zeugnisse zur Geschichte der alten Stadt Büderich. Weseler Museumsschriften Band 25. Rheinland-Verlag, Wesel. Seite 15.
  2. Martin Wilhelm Roelen, Margret Wensky (2013): Untergang und Neubeginn - vom alten und neuen Büderich, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, ISBN 978-3-924380-30-4, Seiten 31.
  3. Martin Wilhelm Roelen, Margret Wensky (2018): ...des vorigen florisanten Status beraubt - Büderich im 18. Jahrhundert, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, ISBN 978-3-924380-34-2, Seite 72.
  4. Wikipedia Steintor (Goch): Steintor (Goch)
  5. Hans-Joachim Koepp (1998): Die Geschichte des Steintors, in: An Niers und Kendel - Historische Zeitschrift für die Stadt Goch und Umgebung, Heft Nr. 34, Verkehrs- und Heimatverein e.V. Goch, Seite 1.