Niederrheinische Backsteingotik

Die klevischen Baumeister des 15. Jahrhunderts

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden viele zu dieser Zeit bescheidene Pfarrkirchen zu großen Stadtkirchen oder sogar Stiftskirchen ausgebaut bzw. durch Neubauten ersetzt. Diese Entwicklung wurde einerseits durch die Ambitionen der aufstrebenden Handelsstädte vorangetrieben, andererseits durch die Zunahme von Gilden, Bruderschaften und Stiftungen reicher Bürger, die Platz für ihre Seitenaltäre benötigten.

Veränderungen in Material, Form und Fertigung

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden viele zu dieser Zeit bescheidene Pfarrkirchen zu großen Stadtkirchen oder sogar Stiftskirchen ausgebaut bzw. durch Neubauten ersetzt. Diese Entwicklung wurde einerseits durch die Ambitionen der aufstrebenden Handelsstädte vorangetrieben, andererseits durch die Zunahme von Gilden, Bruderschaften und Stiftungen reicher Bürger, die Platz für ihre Seitenaltäre benötigten. Am Niederrhein dürften die Stiftskirche in Xanten, der Kölner Dom sowie der Utrechter Dom als Vorbild gedient haben.
Die ehrgeizigen Städte suchten jedoch nach Wegen, ihre großen Kirchen in absehbarer Zeit zu verwirklichen, da einerseits die Bevölkerung rasch zunahm und große Gebäude benötigt wurden und diese andererseits dem Status der Stadt dienten. Die Lösung wurde in der Reduzierung von Formen und vereinfachten Konzepten gefunden. Obwohl das klassische Idealkonzept des großen Doms blieb, vereinfachten die Stadtkirchen häufig den Plan und die Gestaltung. Gleichzeitig werden wertvolle Natursteine ​​und komplexe Details eingespart. Da die Ziegelproduktion inzwischen auf einem hohen Niveau war, überwog dieses Material allmählich in Fundamenten und vertikalem Mauerwerk. Für die Natursteinteile wurde ein System entwickelt, bei dem die Formen von Säulen, Bögen und Dekorationen von Portalen und dergleichen so vereinfacht wurden, dass sie im Steinbruch hergestellt werden konnten und auf der Baustelle nur zusammengebaut werden mussten.
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Unter Graf Adolf II. von Kleve wurden in dieser Zeit in seinem Herrschaftsgebiet darüber hinaus zahlreiche Burgen um- bzw. ausgebaut. Auch hier dürfte auf eine effiziente Art zu bauen wert gelegt worden sein, auch hier kamen vorwiegend Ziegelsteine zum Einsatz.

Gisbert Schairt war einer der ersten, die diese Entwicklungen nutzte und die veränderte Baupraxis am Niederrhein und den benachbarten niederländischen Gebieten optimierte.1

Gisbert Schairt van Bommel

(* zwischen 1370 und 1375 in Zaltbommel, † 1452 in Xanten)

Gisbert Schairt wurde wahrscheinlich zwischen 1370 und 1375 in Zaltbommel als Sohn eines Steinmetzes geboren. Mit diesem arbeitete er ab 1390 zunächst als Lehrling in Kranenburg. Hier war er am Bau des neuen Stadtschlosses, das zwischen 1388 und 1395 errichtet wurde und am Bau der Stadtummauerung, die zwischen 1395 und 1401 gebaut wurde, tätig. Vermutlich war er zu Beginn des 15. Jahrhunderts auch am Westbau der Klever Stiftskirche beteiligt, die unter der Bauleitung Johan Housteyns stand. Hier erkennt Friedrich Gorissen erstmals die Schairts eigene Formensprache.
Darüber hinaus war Gisbert Schairt bereits Ende des 14. Jahrhunderts bei Arbeiten an der Burg in Grave als führender Meister tätig. Bei diesem Bauprojekt war er aber nicht ständig zugegen, sondern übertrug das Tagesgeschäft einem untergeordneten Meister.1 2

1406 wird er zum Baumeister des Xantener Doms St. Viktor ernannt. Von nun an lebt er hier und heiratet Hilla Kye, die Tochter des verstorbenen Bürgers Arnold von Horne gen. Kye. Durch sie erwirbt er das Haus der Familie Kye, das sich an der östlichen Schmalseite des Marktes befand. Aus der Ehe gehen der Sohn Wilhelm Schairt sowie die Töchter Ermgard und Wijnken hervor. Seine Frau starb bereits am 19. Dezember 1421.
Bald darauf ging er eine neue Ehe ein, seine zweite Frau hieß möglicherweise Heilwig. Aus dieser zweiten Ehe entstammen vermutlich die Töchter Hilla und Lysbeth.2

Basen- und Sockelprofile an niederrheinischen Kirchen der 1. Hälfte des 15. Jahrh.; Quelle: Friedrich Gorissen1

Einerseits ermöglichte ihm seine Tätigkeit in Xanten stets mit neuesten Methoden in Kontakt zu kommen und sich weiterzubilden, andererseits zwang ihn der 1408 geschlossene Werkvertrag nicht sich dauerhaft in Xanten aufzuhalten. Vielmehr hatte er so die Möglichkeit mehrere Bauprojekte an verschiedenen Orten zugleich zu betreuen. Da gerade Kirchenbauarbeiten häufig aus verschiedenen Gründen gestoppt wurden, kamen ihm Werkverträge sicher entgegen. Gisbert hatte in Xanten einen Untermeister ernannt, einen gewissen Herman von Wintern, der die tägliche Leitung übernahm. Immer wenn seine Anwesenheit dringend benötigt wurde erschien er einige Tage auf der Baustelle, um die Arbeiten zu organisieren, so z.B. 1434 als das Strebensystem fertiggestellt wurde und 1437 bei Arbeiten am Chor.
Auch bei seinen anderen Projekten ging er so vor. In Kranenburg war beim Bau der Peter-und-Paul-Kirche ein Untermeister beschäftigt, bei diesem handelte es sich möglicherweise um Bernt von Covelens, der später in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter anderem in Zwolle tätig war. Die Untermeister können als Schüler Gisbert Schairts angesehen werden.

Er verfügte insgesamt über ein außergewöhnliches Talent die Baupraxis zu optimieren. Aber auch wenn er Verträge mit Steinmetzen abschloss und die gewöhnlichen Arbeiten untergeordneten Meistern überließ, so behielt er dennoch die Formgebung in seinen eigenen Händen und ließ wahrscheinlich auch Natursteinteile mit Hilfe von Formen für verschiedene Projekte in Steinbrüchen sowie in der Dombauhütte in Xanten herstellen. Gisbert perfektionierte die Reduktion von Formen weiter und entwickelte seine eigene Formensprache, die auf der rheinischen Gotik basierte. Die Bauart der gedruckten Basilika mit Fensterbrett-Triforium, die er aus dem Xantenen Dom ableitete, wurde zu einer typischen Bauart im niederrheinischen gotischen Kirchenbau. Darüber hinaus bewies er städtebauliche Qualitäten, unter anderem beim Bau der Christoffelkathedraal in Roermond und der St.-Stevenskerk in Nimwegen. Bei letzterer war Riquin Tilmans ab 1430 sein Untermeister.

Während er bis Mitte der 1430er Jahre sowohl entwarf als auch den Baubetrieb organisierte und sicher auch selbst Hand anlegte, scheint er sich im fortgeschrittenen Alter mehr auf den reinen Entwurf konzentriert zu haben. Darüber hinaus wurde er bis ins hohe Alter bei schwierigen Baumaßnahmen als Sachverständiger hinzugezogen, wie z.B. 1438 bei Baumaßnahmen an der dreischiffigen Halle von St. Nicolai in Kalkar und 1440 beim Bau des Schwanenturms der herzöglichen Burg in Kleve. Beide Projekte standen unter der Leitung des klevisch-herzoglichen Baumeisters Johann Wyrenberg.

Zu seinen bedeutensten Projekten zählen seine Arbeiten:

Darüber hinaus erstellte er die Entwürfe für die zwischen 1409 und 1450 erbaute St.-Christophorus-Kirche in Roermond, das ab 1435 errichtete Kirchenschiff mit Turm der St.-Martin-Kirche in Doesburg, das zwischen 1435 und 1440 erbaute Kirchenschiff mit Turm der St.-Maartenskerk in seiner Geburtsstadt Zaltbommel und möglicherweise auch für den Turm der St.-Martin-Kirche in Tiel. Darüber hinaus werden ihm Teile der St.-Nikolaus-Kirche in Kalkar zugeschrieben. Die meisten dieser Kirchen gelten heute als Meisterwerke der Niederrheingotik. Ein weiteres Spitzenwerk dieser Gruppe ist die St. Eusebius-Kirche in Arnheim, die zwar erst 1452 also nach Gisberts Tod begonnen wurde, aber eindeutig von seinem Stil geprägt wurde.1

Insgesamt wirkte Gisbert Schairt stilprägend für den Niederrhein. So ist sein Stil auch bei der den heiligen Nikolaus und Antonius geweihte Weseler Mathenakirche erkennbar. Diese wurde zwischen 1440 und 1500 errichtet. Ob Gisbert Schairt am Entwurf der Kirche beteiligt war ist nicht bekannt.

Ob Gisbert Schairt am Entwurf oder Bau von Bauwerken in Büderich beteiligt war, ist leider nicht bekannt. Denkbar ist, dass er den von Evert Amelong gestifteten Neubau des Chors der Pfarrkirche St. Peter zwischen 1405 und 1415 entwarf und betreute. Denkbar ist auch, dass er den Ausbau der herzöglichen Burg in Büderich zur Nebenresidenz ab 1434 leitete. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dieser Bau von Johann Wyrenberg, dem klevisch-herzöglichen Baumeister dieser Zeit geleitet wurde.

Johann Wyrenberg

Über Johann Wyrenberg ist bislang insgesamt recht wenig bekannt. Die Stadt Weinheim in der Kurpfalz wurde im 14. Jahrhundert auch Wynenberg genannt3, mag sein, dass seine Wurzeln dort lagen. Andererseits ist der Name Wijnenberg noch heute in der Gegend um Utrecht verbreitet.
Er war klevisch-herzöglicher Baumeister in einer Zeit, da im Herzogtum Kleve unter Adolf II. eine bosonders rege Bautätigkeit stattfand und wohnte in Kalkar an der Monrestraße.4

Nachdem es 1409 in der Kalkarer Kirche St. Nicolai zum Brand kam, wurde die bis heute bestehende dreischiffige Halle in verschiedenen Bauabschnitten bis zur Weihe 1450 fast vollendet. Die Einwölbung des Chores konnte 1423 durch Meister Johann abgeschlossen werden.5 Belegt ist, dass 1438 Gisbert Schairt als Sachverständiger hinzugezogen wurde.2 Im Jahr 1443 musste das alte staufische Langhaus der neuen dreischiffigen Hallenkirche weichen, die Johann Wyrenberg errichtete.5 Auch wenn wir nicht wissen in welchem Verhältnis Gisbert Schairt und Joahann Wyrenberg zueinander standen, so liegt es doch auf der Hand, dass sie sich kannten und miteinander in Kontakt standen.

Auch das Rathaus in Kalkar wurde von ihm im Stil der niederrheinischen Backsteingotik in den Jahren 1438 bis 1446 erbaut. Dabei handelt es sich um einen freistehenden dreigeschossigen Backsteinbau mit schiefergedecktem Walmdach. Es gilt als einer der bedeutendsten mittelalterlichen Bauten am gesamten Niederrhein.6

Zwei mächtige Bürgerhäuser Alt-Büderichs weisen auf der Stadtansicht Adam Frans van der Meulens auffallende Ähnlichkeiten zum Rathaus Kalkar auf. Entweder diente hier das Rathaus Kalkar einem talentierten Meister als Vorbild, oder Johann Wyrenberg war auch für diese Bauten verantwortlich. Bei den Häusern handelt es sich um das spätere kath. Pastorat sowie um das Haus Casteel.
 

Nachdem am 7. Oktober 1439 der alte Wohnturm der Schwanenburg einstürzte, ließ Adolf II. an Stelle des alten Wohnturms den schlankeren Schwanenturm errichten. Johan Wyrenberg betreute auch diese Baumaßnahme, die 1440 begann und 13 Jahre später abgeschlossen wurde.7 Auch bei diesem Projekt wurde Gisbert Schairt als Sachverständiger hinzugezogen.2

Welche Baumaßnahmen darüber hinaus von Johann Wyrenberg entworfen und betreut wurden, ist noch unerforscht. Es liegt aber nahe, dass er auch die weiteren Baumaßnahmen unter Adolf II. in seiner Verantwortung lagen, wie z.B. der Ausbau der Burg Büderich zur herzöglichen Nebenresidenz und der Bau des Kartäuserklosters auf der Grav Insel, das u.a. als Grablege der Herrscherfamilie dienen sollte.

Wie oben bereits angedeutet ist es gut vorstellbar, dass er auch die Weseler Mathenakirche entwarf und deren Bau ab 1440 maßgeblich leitete, gleiches gilt für den Neubau der Büdericher Pfarrkirche ab 1466.
Belegt ist, dass Heinrich Blanckenbiel, der zwischen 1467 und 1489 im Dienst der Stadt Wesel als Stadtbaumeister stand und zwischen 1468 und 1471 mit Arbeiten an der Mathenakirche betraut war.

Baumeisterfamilie Reigervurd

Die Stadt Wesel hatte im 15. Jahrhundert eigene Vertragshandwerker, so auch einen Stadtmaurermeister, der u.a. für Arbeiten am Rathaus, an der Willibrordikirche und ab 1440 an der neuen Mathenakirche zuständig war. Ob er aber auch an deren Entwurf beteiligt war und ihm die eigentliche Bauleitung oblag darf bezweifelt werden.

Das Amt des Stadtmauermeisters hatte ab 1454 Willem Reigervurd inne. Sein Vater Gerit war ebenfalls Maurer und Steinmetz, während der Großvater, der ebenfalls den Namen Gerit trug, Zimmermann war und 1373 das Weseler Bürgerrecht erwarb.
Willem Reigervurd hatte das Amt bis 1461 inne, vermutlich verstarb er in dem Jahr. Auf ihn folgte 1463 für wenige Jahre sein Sohn Daem Reigervurd, der bis 1467 Stadtmaurermeister war. Sein Nachfolger wurde der auswärtige Steinmetz Heinrich Blanckebiel.8

1455 beschloss der Rat den Bau eines neuen Rathauses zwischen dem Großen Markt und dem Fischmarkt. Das Wohnhaus, dass sich noch an der vorgesehenen Stelle befand wurde angekauft.
Gleich nach dem Ratsbeschluss wurde eine Abordnung nach Büderich gesandt, um sich den Saal der herzöglichen Burg anzusehen, dieser diente als Vorbild für den zu bauenden neuen Ratssaal. Auch mit den nötigen Abbrucharbeiten wurde umgehend begonnen.
Der erste Bauabschnitt wurde im Wesentlichen innerhalb von zwei Jahren unter Leitung Willem Reigervurds von 1457 bis 1458 fertiggestellt. Bis zum nächsten Bauabschnitt, der die bekannte Prunkfassade an der Seite zum Großen Markt einschloss, sollte es noch bis 1472 dauern.8

Heinrich Blanckebiel

(* um 1420 in Westfalen, † 1489 vermutlich in Wesel)

Heinrich Blankebiel stammte vermutlich aus Westfalen und muss um 1420 geboren worden sein. Er war Steinmetz, Bildhauer und Baumeister.
In Münster ist er erstmals durch eine Urkunde vom 3. Dezember 1446 als Hinrich Blanckebyle de stenbicker bezeugt. Stilistische bildhauerische Übereinstimmungen z.B. zum Krappendorfer Altar lassen darauf schließen, dass er in Münster ab 1440 als Bildhauer tätig war. In seiner Zeit in Münster schuf er zahlreiche Sandsteinskulpturen, vorwiegend für Kirchen im westfälischen und niedersächsischen Raum.

Da er sich mit der Verarbeitung des Baumberger Sandsteins auskannte und sein Ruf als Bildhauer sicherlich bis Wesel reichte, wurde er wohl eigens für die Errichtung der gotischen Fassade des Weseler Rathauses, für die eben dieser Stein zum Einsatz kommen sollte, sowie für die Fertigung der Sandstein-Skulpturen 1467 als Stadtbaumeister eingestellt. Zu seinem Aufgabenfeld gehörte aber auch die Betreuung der Arbeiten an den beiden Weseler Pfarrkirchen. Zwischen 1468 und 1471 war er somit zunächst mit Arbeiten an der Mathenakirche beschäftigt.

Darüber hinaus leitete er wohl zwischen 1470 und 1475 die Arbeiten am Chor und an der Michaelskapelle der Xantener Stiftskirche. Reinhard Karrenbrock vermutet zudem, dass Heinrich Blanckebiel 1470/71 auch in Kalkar tätig war.

Zwischen 1472 und 1474 leitete er den zweiten Bauabschnitt des Weseler Rathauses mit der Errichtung der gotischen Sandsteinfassade im flämischen Stil.9 Der benötigte Baumberger Sandstein wurde per Schiff über die Lippe bis Wesel transportiert.8

Er blieb noch bis bis zu seinem Tod 1489 in den Diensten der Stadt Wesel. In seiner Zeit als Stadtbaumeister in Wesel schuf er auch zahlreiche Sandsteinskulpturen für niederrheinische Kirchen, z.B. das bis heute erhaltene Standbild des Heiligen Viktors, das für den Gerichtsbezirk in Xanten bestimmt war. Anhand dieses Werkes gelang es Reinhard Karrenbrock zahlreiche weitere Werke am Niederrhein und in Westfalen diesem Künstler zuzuschreiben.
So schuf er auch den Taufstein der Ginderich Kirche St. Mariä Himmelfahrt und ein Sakramentshaus in der Bislicher Pfarrkirche, die bis heute erhalten sind.9 10


Wie oben bereits erwähnt wurden ab 1466 der romanische Kirchturm und das romanische Kirchenschiff der Büdericher Pfarrkirche durch ein Schiff und einen Turm im gotischen Stil ersetzt. Möglicherweise blieb der zwischen 1405 und 1415 gebaute Chor jedoch erhalten.
Aufgrund der räumlichen Nähe liegt die Vermutung nahe, dass auch diese Baumaßnahme von den selben Baumeistern betreut wurde, wie die der Weseler Mathenakirche. Zudem lassen die vorhandenen Stadtansichten Adam Frans van der Meulens und Jan de Beyers eine große Ähnlichkeit mit der Mathenakirche erahnen. Neben diesen Anhaltspunkten fehlen bislang aber weitere Belege.
Es ist gut möglich, dass der stilistisch von Gisbert Schairt geprägte Johann Wyrenberg beide Kirchenneubauten, also den der Mathenakirche in Wesel als auch den der Alt-Büdericher Pfarrkirche St. Peter entwarf und in der Anfangsphase betreute. Auch die weitere Leitung der Arbeiten durch den ab 1468 in Wesel ansässigen Baumeister und Bildhauer Heinrich Blanckebiel, wie sie Reinhard Karrenbrock vermutet, liegt nahe.11

Bei Schoofs heißt es zur Ausstattung der Pfarrkirche St. Peter in Alt-Büderich: „Um das hohe Altar waren ringsum die heiligen zwölf Apostel in hartem Stein ausgehauen, welche hernacher mit der Zeit nach Wesel gebracht und anderswo angewendet, sonderlich zu [..] Thür- und Fensterposten."12
Es darf vermutet werden, dass auch diese Skulpturen Werke Heinrich Blanckebiels waren.

Marcus Abram

Quellen:

  1. J.A.E. Kuys, R.M. Kemperink, E. Pelzers, P.W. van Wissing: Gisbert Schairt van Bommel tussen 1370/1375-1452, Bouwmeester, in: Biografisch Woordenboek Gelderland, deel 2, Bekende en onbekende mannen en vrouwen uit de Gelderse geschiedenis, Hilversum, 2000, Seiten 90-93
  2. Friedrich Gorissen: Meister Gisbert Schairt van Bommel (um 1380 bis 1452), über Leben und Werk eines niederrheinischen Baumeisters in Zaltbommel, Nimwegen, Huissen, Kranenburg, Kleve, Kalkar, Rees und Xanten, in: Der Niederrhein, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, Jahrgang 1953, Seiten 94-103
  3. Mainer Archivalien: Abschriften des frühen 14, Jahrhunderts von zwei zeitgenössischen Urkunden
  4. Helmut Rotthauwe gen. Löns: Kostbarkeit Kalkar, Rheinland-Verlag, 1980, ISBN 3-7927-0558-3, S. 139
  5. Hans Peter Hilger: Stadtpfarrkirche St. Nicolai in Kalkar, Boss-Verlag, 1990, ISBN 3-89413-181-0, S. 29-32
  6. Wikipedia: RathausKalkar
  7. Wikipedia: Schwanenburg
  8. Martin Wilhelm Roelen: Das zweite spätgotische Rat- und Fleischhaus, in: Vier Rathäuser, Aufsätze und Quellenedition zur Geschichte der Weseler Rathäuser. Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel, 37. Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel, 2015, ISBN 978-3-924380-32-8; S. 23-32
  9. Rheinhard Karrenbrock: Heinrich Blanckebiel, ein spätgotischer Baumeister und Bildhauer in Münster und Wesel, in: Vier Rathäuser, Aufsätze und Quellenedition zur Geschichte der Weseler Rathäuser. Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel, 37. Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel, 2015, ISBN 978-3-924380-32-8; S. 51-81
  10. Rheinhard Karrenbrock: Zur spätmittelalterlichen Ausstattung der katholischen Pfarrkirche St. Mariä in Ginderich, in: Römer, Wallfahrt, Landwirtschaft. Zwei Jahrtausende Gindericher Geschichte. Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel, 23. Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel, 2000, ISBN 3-924380-18-X; S. 101-104
  11. Rheinhard Karrenbrock: Mittelalterliche Bildwerke in der Kath. Pfarrkirche St. Peter in Büderich, in: Untergang und Neubeginn - vom alten und neuen Büderich, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, 2013, ISBN 978-3-924380-30-4, S. 137f
  12. Johann Heinrich Schoofs: Geschichte der katholischen Gemeinde in Büderich, von den Tagen der Reformation bis auf die neueste Zeit, nach den Acten des Pfarrarchivs und des Dekanatsarchivs Xanten, Wesel, 1880 S. 55