Gerhard Buck

* um 1410 in Büderich, † 1. Februar 1489 in Münster

Gerhard Buck lebte als Ordensbruder der Brüder vom gemeinsamen Leben im Fraterhaus zu Münster.

Er übersetzte im Jahr 1444 einen mittelniederländischen Laienspiegel, der um 1415 entstand und den Titel Spieghel der leyen trug, ins Mittelniederdeutsche. Es handelte sich dabei um eine Einführung in die Theologie der Sünde und des Leidens für Menschen, die selbst nicht dem geistlichen Stand angehörten, aber ein gutes, christliches Leben führen wollten.

Gerhard Buck starb als Accolitus im Jahr 1489 am Tag vor dem Fest Mariae Reinigung, also am 1. Februar 1489.

Gherard Buck van Buederick, wie er sich selbst am Ende des Laienspiegels nannte, war der Schreiber der münsterischen Handschrift, nicht der Autor. Die Vorlage für seine Übersetzung ist nicht erhalten. Sie stammt, wie die sprachliche Untersuchung gezeigt hat, aus dem Ijsselgebiet und damit aus dem Ursprungsland der religiösen Frömmigkeitsbewegung der Devotio moderna.  

Beginn des Buches Spieghel der leyen

Hijr beghint de vorrede up dessen boke, dat seer nutte is den leyen, unde is dar umme gheheten een spieghel der leyen.
Jhesus cristus, marien enighe gheborene sone, de nicht en hatet van al dem dat he ie ghewrochte, ghelijck als de prophete van em schrivet, mer he hatet de quaden sunde yn uns, de wy begaen van daghe to daghe, unde als Got selven seghet in den beghynne der biblien: Alle menschelike gheboerte van naturen is gheneyghet sunde to doene, als men alle daghe leider vele suet over alle de werlt ghescheen, unde want somich is, de sunde doet van rechter quaetheit, somich van versumenheit unde somich van unwetenheit, unde want daer manich simpel leye is, wiste he den rechten wech ofte grunt, wo swaer de sunde vor gode weer, unde alle de maneere, wo de sunde eerst komen ofte wo ze henne gaen, unde wat de hillighe scrift hijr van holt, ze solden em lichte bet van sunden hoeden. Want al hoert manich sympel leye some tijt yn der kerken wat gudes seggen unde de hillighe scrift exponeeren of duden, so is leider de memorie vergheetende, als een mester in der naturen bescrijft, unde hebbent kort vergheeten.
Hijr umme, want daer manich sympel leye is, de gheerne gode denen solde, up dat he den rechten grunt wiste unde daghelix lesen mochte, waer up een recht kersten leven stunde, hijr umme so hebbe ic my yn den namen godes underwunden, dit boec to scryvene; nicht ut my selven, mer als de hillighe scryft seghet unde de leeven hillighen leeres der hillighen kerken uns to bate gheleert hebben.

Wörtliche Übersetzung ins Hochdeutsche

Hier beginnt die Vorrede auf dessen Buche, das zu Nutze ist den Laien und ist darum geheißen ein Spiegel der Laien.
Jesus Christus, Marien eingeborener Sohne, der nichts hasst von all dem das ist geschaffen, gleich als die Propheten von ihm schreiben. Mehr hasst er die quälende Sünde in uns, die wir begehen von Tag zu Tag. Und als Gott selber sagt in dem Beginn der Bibel: Alle menschliche Geburt ist von Natur geneigt Sünde zu tun, so wie man alle Tage leider viel sieht überall in der Welt geschehen. Und wenn mancher ist, der sündigt dort aus rechter Bosheit, mancher aus Versonnenheit und mancher aus Unwissenheit. Und wenn da manch einfacher Laie ist, wüsste er den rechten Weg aufgrund, wie schwer Sünde vor Gott wiegt; und alle Arten wie die Sünde entsteht, oder wohin sie führt, und was die Heilige Schrift davon hält: Sie sollten ihn leicht von Sünden bewahren. Wenn also manch einfacher Laie hört manche Zeit in der Kirche was Gutes sagen und die Heilige Schrift darlegt oder deutet, so ist leider das Gedächtnis vergesslich, so wie ein Meister in der Natur beschreibt und haben es schnell vergessen.
Hier wenn da manch einfacher Laie ist, der gerne Gott dienen möchte, auf dass er den rechten Grund weiß und täglich lesen möchte, worauf ein rechtes Christenleben steht, so habe ich mich im Namen Gottes überwunden, dieses Buch zu schreiben, nicht aus mir selbst, vielmehr wie die Heilige Schrift sagt und die lieben heiligen Lehrer der heiligen Kirche uns zu beten gelehrt haben.

Literatur