Zeitreise Büderich

3D-Rekonstruktionen Alt- und Neu-Büderichs

Nach der Beauftragung im Februar 2020 begannen die Überlegungen zur Visualisierung, d.h. dreidimensionalen Darstellung Büderichs mit Hilfe moderner Rechner. Eine lange Phase der Recherchen lag vor uns. Wo es keine Quellen gab, wurden Analogieschlüsse herangezogen, Entwürfe entstanden, wurden wieder verworfen, auch offensichtliche Fehler in Quellen gefunden. Wie detailreich können wir etwas darstellen, zu dem die Quellenlage mager ist? Schließlich entschieden wir uns für eine Art der Visualisierung, die etwas realitätsnäher ist, als unsere Rekonstruktionen Wesels 2016. Das Ergebnis sehen Sie im Folgenden. 2 Jahre Arbeit mit 3 Fachleuten und unermüdlicher Unterstützung seitens des Bürgervereins und Stadtarchivs.

Alt-Büderich in seiner wirtschaftlichen Blütezeit, 14. bis 16. Jahrhundert.

Nach der Stadterhebung erlebt Büderich drei Jahrhunderte Wohlstand und Blütezeit. Als Zollstadt sicherte sich Büderich reichlich Einnahmen. Die Stadt lag an großen Handelsstraßen, darunter vor allem der Rhein. Ein solcher Knotenpunkt bietet sich an für Märkte. So gab es den vier Wochen dauernden Jahrmarkt im September und den donnerstags stattfindenden Wochenmarkt

Alt-Büderich als Festung unter den Niederländern Mitte des 17. Jahrhunderts.

Während des 80-jährigen Krieges gelang es 1629 den Niederländern, Büderich zurückzuerobern. Sogleich wurde mit dem Ausbau Büderichs zur Festung begonnen. Sie bestand aus Bastionen, Ravelins, Gräben und einem nach Osten gerichteten Hornwerk. Die Anlage schloss die alte Stadtmauer, die den damaligen fortifikatorischen Erfordernissen nicht mehr genügte, mit ein und bedeckte so etwa die vierfache Fläche der eigentlichen Stadt.

Trotz des immensen Aufwandes bestand die Festung nur etwa 40 Jahre.

Das Fort Napoleon - später Fort Blücher - erbaut während der letzten französischen Besatzungszeit.

1806 wurde mit dem Bau des Fort Napoleon auf der Büdericher Stadtweide begonnen. Die Bürger erhielten ein Jahr später eine Ersatzweide bei Werrich. Die Arbeiten am Fort zogen sich bis 1813 hin, also bis zur Schleifung Alt-Büderichs. Tausende Arbeiter waren beschäftigt und die Büdericher hatten Pferde und Karren zu stellen.

Im Hintergrund das noch existierende Alt-Büderich. Dessen Festungsanlagen sind geschliffen, die mittelalterliche Stadtmauer im ruinösen Zustand. Zu erkennen sind Reste der ehemals zu den Festungsanlagen gehörenden Wassergräben.

Neu-Büderich

Am 11. Juli 1814, nachdem der Krieg endlich zu Ende war, wurde der Platz zum Neubau Büderichs an der Straße nach Geldern auserwählt. Bis zur Fertigstellung vergingen 8 Jahre. Auch danach gab und gibt es natürlich Erweiterungen, Verdichtungen, Modernisierungen, Veränderungen - bis heute.

Neu-Büderich 1822

Der Baumeister Otto von Gloeden hat seine Arbeit vollendet: der Bau Neu-Büderichs gilt vorerst als abgeschlossen. Die Bürger haben wieder ein Dach über den Kopf, können Gottesdienste besuchen, ihre Kinder zur Schule schicken.

Noch stehen einige Nothütten. Jenseits der Chaussee nach Wesel steht noch die Ziegelei. Mit ihrer Hilfe wurden die Ziegel gebrannt. Ganz unscheinbar, aber erkennbar existiert zwischen der Kath. Schule und der Kirche St. Peter noch die Notkirche. Sie wird erst 1825 abgerissen.

An eine Entwässerung ist noch nicht zu denken. Die bekommen die Büdericher erst 20 Jahre später. Ihr Frischwasser holen sie sich aus 16 "Straßenpumpen".

1843

ist die Ziegelei verschwunden. Der Ort hat gerade die lang ersehnte Entwässerung erhalten. Die Büdericher müssen nun nicht mehr im Schlamm durch die Straßen waten. An der Weseler Straße eröffnet Restauration "Zum Deutschen Kaiser". Einige weitere Wohnhäuser sind entstanden. Der Marktplatz ist jetzt mit Bäumen bepflanzt. Gegenüber der Kirche St. Peter hat Familie Heicks die "Restauration Heicks" eröffnet. Heute kennt jeder Büdericher sie als "Gasthof van Gelder".

1866

wird das Marienhospital eingeweiht. Auf den Leerflächen sind weitere Bürgerhäuser entstanden. Auch im Umland wurde gebaut.