Landesherrliche Burg

Markt, Zoll und Burg etstanden zwischen 1250 und 1275. Im gleichen Zeitraum wurde Büderich auch zur Stadt erhoben.1

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg im 1373.

Der Bau der Burg Büderich könnte im Zusammenhang mit der klevischen Erbteilung von 1255 stehen, bei der Graf Dietrich V./VII. unter anderem die südlichen Teile der Grafschaft mit Büderich, sein Bruder Dietrich Luf u. a. die rechtsrheinischen Besitzungen mit Wesel erhielt. Dietrich Luf  machte den Bürgern von Wesel das Zugeständnis keine festen Bauten gegen ihren Willen in der Stadt zu errichten. Der Graf brauchte aber eine Residenz im südlichen Teil seines Territoriums. Außerdem mussten Markt, Rheinfähre und Zoll geschützt werden. Für 1342 und die folgenden Jahre ist die Burg durch Weseler Stadtrechnungen bezeugt, da die Weseler auch dorthin ziehen mussten, um ihre Angelegenheiten mit dem Landesherrn zu regeln.1

Vermutlich befand sich in der Räumen der landesherrlichen Burg auch die Münzstätte.2

1434 kam es unter Graf Adolf II. der auch als Herzog Adolf I. bekannt ist, zu einem Neu- oder Erweiterungsbau. Der hierbei errichtete beeindruckende neue Saal diente als Vorbild für den großen Saal des Weseler Rathauses.3

Eine Beschreibung aus dem Jahre 1447 listet die Räumlichkeiten auf. Demnach gab es die Kammer der Herzogin (myner vrouwen camer), die der Jungfern (jonfferen), die des Kämmerers (kemerlingh) und die des Herzogs oberhalb des Saales (mynes heren nye kamer op den zadel). Darüber hinaus gab es für den Zollknecht Räume oberhalb dieser Kammer sowie oberhalb des Tores. Die Küche und zwei weitere Räume befanden sich oberhalb der Glocken. Außerdem gab es ein Brauhaus, ein Backhaus und zwei Ställe.4

Im 15. Jahrhundert hielten sich Angehörige der herzöglichen Familie und andere Angehörige des Herrscherhauses mehr oder weniger regelmäßig auf der Burg auf. So diente die Burg z. B. ab 1448 bis zu ihrem Tod im Jahre 1459 Katharina, der Tochter des im Jahre 1394 verstorbenen Grafen Adolf I. als Wohnsitz.5 6 1515 wurde Elisabeth, eine uneheliche Tochter Herzog Johann I., die Burg als Wohnsitz zugewiesen. Darüber hinaus diente die Burg auch als herzoglicher Witwenwohnsitz.4

Zwischen 1557 und 1560 diente eine winziger Kammer der Burg als Gefängnis für Graf Johann II. von Rietberg, der auch der Tolle genant wurde.5 7

Während der niederländischen Besatzung im 17. Jahrhundert kam es offenbar zum Verfall der in dieser Zeit nutzlos gewordenen Burg. 1655 gab Kurfürst Friedrich Wilhelm die Burg zum Abbruch frei. 1661 erwarb das Kloster Gertrudenthal Holzbalken der Burg als Bauholz. Die Stadtansicht Frans Adam van der Meulens die im Jahr 1672 nach der Einnahme der Stadt durch die Franzosen entstand, zeigt schließlich noch die Reste des Bergfrieds der Burg, bevor auch diese beseitigt wurden.3 4

Grundriss der Burg

Da die Burg bereits im 17. Jahrhundert ruiniert wurde, ist sie auf späteren Stadtgrundrissen nicht verzeichnet. Gewisse Aufschlüsse geben aber Festungsgrundrisse des 17. Jahrhunderts. Hier ist der Grundriss der Burg in der nordöstlichen Ecke der Stadt zu erkennen.

Grundriss der Burg; 1649; Willem Janszoon Blaeu

 

Darstellungen der Burg aus bekannten Stadtansichten

Analogieschlüsse

Für eine realitätsnahe Rekonstruktion bedarf es genauerer Vorlagen. Die Darstellungen der Burg lassen Analogien zur Schwanenburg erkennen. Der Schwanenturm dieser Burg ist zwischen 1440 und 1443 durch den herzoglich klevischen Baumeister Johann Wyrenberg neu errichtet worden, also unmittelbar bevor die Burg in Büderich erneuert oder erweitert wurde. Es liegt daher nahe anzunehmen, dass dieser Baumeister auch an den Arbeiten an der Burg Büderich beteilgt war.

Schwanenburg in Kleve; Quelle: Wikipedia

Auch Burg Winnenthal, die ebenfalls durch Herzog Adolf II. umgebaut und erweitert wurde, kann zu Analogischlüssen herangezogen werden.

Burg Winnenthal; Quelle: Wikipedia

 

Ansichten der Rekonstruktion

 

 

Quellen:

  1. Margret Wensky (1987): Zur Geschichte von Alt-Büderich in Büderich, in: Beiträge zur Stadtgeschichte, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, ISBN 3-924380-04-X, Seiten 11, 13-15.
  2. Günter Warthuysen (2015): Münzprägung und Geldumlauf am Niederrhein - Zur geldgeschichtlichen Entwicklung in Wesel und Umgebung, in: Wesel und der untere Niederrhein - Beiträge zur Rheinischen Geschichte, Historische Vereinigung Wesel e.V, ISBN: 978-3-929605-38-9, Seite 59.
  3. Martin Wilhelm Roelen, Margret Wensky (2018): ...des vorigen florisanten Status beraubt - Büderich im 18. Jahrhundert, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, ISBN 978-3-924380-34-2, Seite 81.
  4. Martin Wilhelm Roelen, Margret Wensky (2013): Untergang und Neubeginn - vom alten und neuen Büderich, Selbstverlag des Stadtarchiv Wesels, ISBN 978-3-924380-30-4, Seiten 13-15.
  5. Jörg Lorenz (1989): Dem Erdboden gleichgemacht. Zeugnisse zur Geschichte der alten Stadt Büderich. Weseler Museumsschriften Band 25. Rheinland-Verlag, Wesel. Seite 18.
  6. Dr. Robert Scholten (1905): Zur Geschichte der Stadt Cleve (Auszug: Monreberg - Monterberg)
  7. NRW-Stiftung: Familienporträt der Rietberger, der "Tolle Johann" und seine Familie