Büderich im 17. Jahrhundert - Eine Festungsstadt

Während des 80-jährigen Krieges 1568 bis 1648 hatte Büderich unter den wechselnden Besatzern zu leiden. Spanier und Niederländer bekämpften sich in einem Glaubenskrieg, der auch auf niederrheinischem Boden ausgetragen wurde. Siehe dazu den Abschnitt "Reformationzeit und Glaubenskriege" in der  Chronik. Dreimal eroberten die Spanier Büderich. Ebenso oft die Niederländer.

Nach ihrer letzten Einnahme 1629 begannen die Geusen - wie die Niederländer sich nannten - Büderich zur Festung auszubauen. Schon 1672 wurde die Festung nach Eroberung Büderichs durch die Franzosen wieder geschleift. Sie existierte also nur gut vier Jahrzehnte.

Abb 1: Hendrik Feltmann: Büderich um 1630. Quelle: Museum Kurhaus, Kleve

Durch den enormen logistischen und materiellen Aufwand dürfte sich der Bau wohl mehrere Jahre hingezogen haben. Über das Aussehen der Festungsanlage sind Pläne und Ansichten überliefert. Auch die aktuelle Schummerung zeigt Spuren von Bastionen im Westen Büderichs.

Die älteste Ansicht als Festung, entstanden um 1630, stammt von Hendrik Feltmann (Abb 1). Es folgt 1646 Merian. Van Croos zeigt 1659 Wesel von Süd. Links ist Büderich zu erkennen, jedoch ohne sichtbare Festungsanlage! Von 1672 ist die Einnahme Büderichs in einer Ansicht von le Clerc überliefert, auf der die Festung gut zu erkennen ist. Andererseits ist auf der detailreichen Ansicht van der Meulens aus dem gleichen Jahr Büderich zwar mit ruinöser mittelalterlicher Befestigung, jedoch ohne Festungsanlage zu sehen.

Diese teils widersprüchlichen Überlieferungen lassen eine virtuelle Rekonstruktion nur als "idealtypisch" bzw. als Konjunktiv formuliert zu: "So könnte Büderich als Festung ausgesehen haben." Als Grundlage diente der in Berlin überlieferte Plan zum Ausbau der Festung von 1630 (Abb 2). Er zeigt auch die alte mittelalterliche Befestigung mit Graben, leider verzerrt. Dies macht eine massstäbliche Rekonstruktion nicht möglich. Auch der Versuch, den Berliner Plan mit den auf der Schummerung zu erkennenden Strukturen zur Deckung zu bringen, zeigt, dass eine Massstäblichkeit nicht vorhanden ist.

Idealtypische Visualisierung Büderichs als Festung

Abb 2: Plan zum Ausbau der Festung Büderich, um 1630.
Nachträgliche Eintragungen durch den Autor in weiß.
Quelle: Stadtarchiv Wesel

Im Grundriss sind zwei Zugänge zur Stadt im Bereich der mittelalterlichen Tore zu erkennen. Sie wurden bei der Rekonstruktion berücksichtigt. Über deren Aussehen ist nichts bekannt. Lediglich in der Ansicht von Feltmann ist rechts ein Tor zu erkennen. Für den Zugang zu den Ravelins und dem großen Dorn im Osten sind feststehende Brücken rekonstruiert. Der weitere Weg nach "draußen" ist fraglich. Brücken müssten im Angriffsfall ja schnell abgerissen werden.

Auf den Bastionen ist Bewaffnung in Form von Kanonen und Munitionsdepots denkbar. Sie sind bei der jetzigen Visualisierung nicht berücksichtigt.

Die ruinöse Situation der mittelalterlichen Befestigung und der Architektur intra muros ist weitgehend der Ansicht van der Meulens entnommen. Vermutlich wurde Baumaterial der mittelalterlichen Stadtmauer und deren Türme und Tore zum Bau der Festung genutzt. Das Rheintor existiert nicht mehr. Die Burg zerfällt. Die schlechte wirtschaftliche Situation legt eine reduzierte, teils zerfallene Bebauung in der Stadt nahe.

Das in der Rekonstruktion am Rheinufer dargestellte ehemalige Zollhaus hatte zur Festungszeit seine Funktion längst verloren. Ein Anleger mit Rheinquerung existierte sicherlich noch.

Literatur